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Was KI in der Entwicklung leistet, und was nicht.
Sie schreibt Code schneller, als ein Mensch tippen kann, und liest sich in eine Datenbank ein, für die es keine Dokumentation mehr gibt. Sie urteilt nicht. Ob eine Anforderung sinnvoll ist und ob eine Annahme stimmt, entscheidet weiterhin ein Mensch.
Die kurze Antwort.
KI verschiebt den Aufwand. Der handwerkliche Teil der Entwicklung wird deutlich kürzer. Der Teil, der über Erfolg und Misserfolg eines Projekts entscheidet, bleibt gleich lang: verstehen, was Ihr Betrieb wirklich tut, entscheiden, was abgebildet wird, und prüfen, ob das Ergebnis stimmt. Wer Ihnen erzählt, KI mache ein Projekt pauschal um einen bestimmten Faktor billiger, hat entweder nie eins zu Ende gebracht oder verkauft gerade etwas.
Für Sie als Auftraggeber ist deshalb nicht interessant, ob jemand KI einsetzt. Das tun inzwischen fast alle. Interessant ist, was er tut, damit das Ergebnis trotzdem stimmt. Dieser Beitrag sagt beides: was die Werkzeuge können, und woran Sie saubere Arbeit erkennen.
Was tatsächlich schneller wird.
Vier Arbeiten, bei denen der Unterschied in den Projekten, die ich gesehen habe, am größten ist. Alle vier haben eine Gemeinsamkeit: Es gibt eine klare Vorgabe, und das Ergebnis ist überprüfbar.
- Code aus einer klaren VorgabeWenn beschrieben ist, was hinein und was heraus soll, entsteht der Code in Minuten. Das gilt für Auswertungen, Umrechnungen, Importe, Formulare, Berichte.
- Einlesen in gewachsene SystemeEin Datenmodell mit Tabellennamen, die niemand mehr erklären kann, ohne Dokumentation, ohne den Kollegen, der es gebaut hat. Ein Modell liest die Struktur schneller als jeder Mensch und schlägt vor, was die Felder bedeuten könnten. Prüfen muss das jemand, der Ihren Betrieb kennt.
- Tests und RandfälleTests sind unbeliebt, weil sie Fleißarbeit sind. Genau das nimmt ein Modell ab. Es findet auch Randfälle, an die unter Termindruck niemand denkt: leere Felder, negative Mengen, Stornos nach Monatsabschluss.
- Dokumentation, die jemand liestDokumentation entstand früher am Ende, wenn das Budget schon weg war. Heute entsteht sie nebenher und ist aktuell. Das ist der stillste, aber vielleicht größte Gewinn, weil er darüber entscheidet, ob ein anderer Entwickler später weiterarbeiten kann.
Dazu kommen Arbeiten in der Breite: ein Begriff, der überall im Code anders heißen soll, eine Bibliothek, die ersetzt werden muss, ein Format, das sich ändert. Früher war das stumpfe Arbeit mit hohem Flüchtigkeitsrisiko. Heute ist es ein Auftrag und danach ein Durchgang durch die Änderungen.
Was sie nicht kann.
Die folgenden vier Punkte sind keine Kinderkrankheiten, die das nächste Modell behebt. Sie folgen daraus, was ein solches System ist: ein sehr gutes Fortsetzungswerkzeug für Text, das Ihren Betrieb nicht kennt und keine Absicht hat.
Sie urteilt nicht über den Zweck
Wenn Sie ein Feld verlangen, das niemand ausfüllen wird, bauen Sie es. Wenn Sie einen Prozess abbilden lassen, den es so nur gibt, weil ein früheres Programm etwas nicht konnte, wird er abgebildet. Kein Werkzeug fragt zurück, ob das sinnvoll ist. Das ist die Aufgabe der Prozessanalyse, und deshalb steht sie in Phase eins und nicht im Anhang.
Sie merkt nicht, wenn eine Annahme falsch war
Fehlt eine Angabe, wird sie gefüllt: ein Datumsformat, eine Rundungsregel, die Frage, ob eine Menge negativ sein darf. Die Entscheidung wirkt plausibel und wird nicht angekündigt. Der Fehler taucht dann nicht beim Testen auf, sondern im Monatsabschluss.
Sie kennt Ihren Betrieb nicht
Dass Ihre Kommissionierung anders läuft als im Lehrbuch, dass der Schichtwechsel eine bestimmte Buchung erzwingt, dass ein Kunde seine eigenen Artikelnummern verlangt: Das steht nirgends geschrieben. Es steht in den Köpfen Ihrer Leute und in Excel-Dateien auf Laufwerken, die keiner mehr inventarisiert.
Sie klingt sicher, auch wenn sie irrt
Ein falscher Vorschlag sieht genauso souverän aus wie ein richtiger. Es gibt kein Zögern, keinen Hinweis, keine Unsicherheit im Ton. Wer sich daran gewöhnt, dass die Antworten meistens stimmen, hört irgendwann auf zu prüfen. Genau dann passiert der teure Fehler.
Der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem gefährlichen Einsatz von KI liegt nicht im Werkzeug, sondern darin, ob jemand bereit ist, das Ergebnis Zeile für Zeile zu verantworten. Wenn die gesparte Zeit vollständig in den Preis wandert und nichts davon in die Prüfung, haben Sie kein Schnäppchen gemacht, sondern ein Risiko gekauft.
Wie ich damit arbeite.
Sechs Regeln, die nicht verhandelbar sind. Sie kosten Zeit und sind trotzdem der Grund, warum am Ende etwas steht, das Ihre Leute benutzen.
- Schritt 1
Die Anforderung steht vor der ersten Zeile Code
Bevor irgendetwas erzeugt wird, steht in einem Satz, was herauskommen soll und woran man erkennt, dass es stimmt. Dieser Satz kommt aus dem Fachbereich, nicht aus der Entwicklung. Ohne ihn erzeugt ein Modell etwas, das läuft, und niemand kann sagen, ob es das Richtige ist.
- Schritt 2
Kleine Einheiten statt großer Würfe
Ein Modell kann in einem Zug sehr viel Code erzeugen. Genau das ist die Falle: Was niemand in einem Stück prüfen kann, wird nicht geprüft, sondern geglaubt. Deshalb entstehen kleine, abgeschlossene Teile, die einzeln lesbar und einzeln abnehmbar sind.
- Schritt 3
Tests gegen echte Fälle, nicht gegen erfundene
Modelle erzeugen Tests gern so, dass der eigene Code besteht. Brauchbar wird ein Test erst, wenn er einen Fall aus Ihrem Betrieb abbildet: die Bestellung mit der Teillieferung, der Artikel ohne Stückliste, der Kunde mit zwei Rechnungsadressen. Diese Fälle nennt Ihnen niemand außer Ihren eigenen Leuten.
- Schritt 4
Jede Zeile wird gelesen, bevor sie übernommen wird
Nicht überflogen, gelesen. Wenn ich nicht erklären kann, warum eine Zeile dasteht, fliegt sie raus, auch wenn alles läuft. Code, den niemand versteht, ist keine Zeitersparnis, sondern eine Schuld, die später jemand bezahlt.
- Schritt 5
Annahmen werden aufgeschrieben und gegengeprüft
Ein Modell füllt Lücken still. Fehlt die Angabe, wie mit Nachkommastellen umzugehen ist, entscheidet es und sagt es nicht. Jede solche Entscheidung kommt auf eine Liste und wird mit dem Fachbereich durchgegangen, bevor sie in den Betrieb geht.
- Schritt 6
Es gibt einen Menschen, der haftet
Am Ende steht mein Name unter dem Ergebnis, nicht der eines Modells. Für Sie ändert sich damit nichts an Ihrer üblichen Erwartung an einen Auftragnehmer. Genau so soll es sein.
Woran Sie saubere Arbeit erkennen.
Sie müssen keinen Code lesen können, um das zu beurteilen. Die folgenden Punkte kann jeder Auftraggeber prüfen, und zwar während des Projekts, nicht erst danach. Fragen Sie sie ab. Bei mir und bei jedem anderen.
Checkliste für das laufende Projekt
- Es gibt eine schriftliche Anforderung, die Ihr Fachbereich versteht, und sie ist älter als der Code.
- Der Code liegt in Ihrem Repository, nicht in einem Chatverlauf und nicht auf einem fremden Rechner.
- Zu jeder Funktion, die Geld, Mengen oder Termine berechnet, gibt es einen Test mit einem Fall aus Ihrem Haus.
- Es gibt eine Liste der getroffenen Annahmen, und jemand aus Ihrem Betrieb hat sie gesehen.
- Der Dienstleister kann jede Stelle im Code ohne Vorbereitung erklären.
- Namen im Code sind Ihre Namen: Ihre Auftragsart, Ihre Kostenstelle, Ihre Prüfschritte, nicht generische Platzhalter.
- Es ist verabredet und schriftlich festgehalten, welche Ihrer Daten überhaupt an ein Modell gehen dürfen.
- Die Abhängigkeiten sind gängig und gepflegt. Ein Modell schlägt auch Bibliotheken vor, die seit Jahren niemand mehr anfasst.
Zwei Fragen, die viel verraten
Die erste: Zeigen Sie mir eine Stelle, an der das Werkzeug Ihnen etwas vorgeschlagen hat, das Sie verworfen haben. Wer darauf keine Antwort hat, prüft nicht. Die zweite: Was passiert, wenn Sie morgen ausfallen? Die Antwort muss vom Repository und von der Dokumentation handeln, nicht von Ihrem Gedächtnis.
Verantwortung und Haftung.
Die Rechtslage ist an dieser Stelle einfacher, als die Debatte vermuten lässt. Sie beauftragen einen Auftragnehmer, und der schuldet Ihnen ein Ergebnis. Welche Werkzeuge er benutzt, ist seine Sache, solange das Ergebnis stimmt. Ein Statiker haftet auch dann für seine Berechnung, wenn er sie mit einem Programm gemacht hat.
Daraus folgt eine praktische Regel für Ihre Verträge: Nichts darin muss KI erwähnen, aber alles darin muss so formuliert sein, als hätte ein Mensch jede Zeile geschrieben. Gewährleistung, Abnahme, Rechteübertragung, Geheimhaltung, Mitwirkungspflichten. Wenn ein Anbieter an diesen Stellen Einschränkungen einziehen will, weil er mit generierten Anteilen arbeitet, ist das ein Warnsignal und kein Detail. Was die Rechteseite angeht, finden Sie den ausführlichen Teil unter Eigentum an Software.
Dieser Abschnitt beschreibt, wie ich es handhabe, und ersetzt keine anwaltliche Prüfung. Bei personenbezogenen Daten, Kundenverträgen mit Weitergabeverboten oder regulierten Bereichen lassen Sie die Verträge prüfen, bevor Sie unterschreiben.
Was von Ihren Daten das Haus verlässt
Für die Arbeit an Ihrer Software braucht es fast immer die Struktur und fast nie die Inhalte. Tabellennamen, Feldtypen, Beziehungen, ein paar anonymisierte Zeilen, damit klar ist, wie die Werte aussehen. Damit lässt sich ein Datenmodell verstehen, ohne dass Ihre Preise, Ihre Kunden oder Ihre Rezepturen irgendwo landen, wo sie nicht hingehören.
Wo das nicht reicht, etwa bei der Datenmigration, wird vorher festgelegt, welche Auszüge überhaupt bewegt werden, wohin, wie lange und wer sie wieder löscht. Schriftlich, nicht am Telefon. Das ist kein Misstrauen, sondern das Mindeste, was Sie Ihrem eigenen Haus schulden.
Wann KI Ihnen nicht hilft.
Es gibt Fälle, in denen der schnellere Bau die Sache schlimmer macht. Wenn niemand sagen kann, wie ein Prozess wirklich läuft, erzeugt schnelle Entwicklung nur schneller etwas Falsches. Wenn in Ihrem Haus seit Langem um eine Entscheidung gerungen wird, löst kein Werkzeug diesen Streit, es macht ihn nur teurer.
Und es gibt den Fall, in dem Sie gar nichts bauen sollten. Wenn ein vorhandenes Produkt Ihren Ablauf im Kern trifft und der Rest Gewohnheit ist, kaufen Sie das Produkt und ändern die Gewohnheit. Dass Entwicklung günstiger geworden ist, verschiebt diese Grenze, aber es hebt sie nicht auf. Die Abwägung im Einzelnen steht unter Make or Buy. Wo die Grenze zwischen Ergänzen und Ablösen verläuft, klärt der ERP-Selbsttest.
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- Prozessanalyse vorbereiten weil die Urteilsarbeit bleibt, egal wie schnell der Bau wird.
- Schnittstellen und Integration weil generierter Code besonders oft an fremden Systemen scheitert.
- Situationen drei Ausgangslagen, die im Mittelstand immer wieder vorkommen.